Posts mit dem Label Sarah Elan Müller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sarah Elan Müller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 30. September 2013

HALB ALP – HALB ANGST 10

Von unten betrachtet sieht der Berg wieder unnahbar aus, man schaut an ihm hoch und denkt dabei an seinen Physiotherapeuten. In der Realität angekommen, werden wir von Lobpreisungen auf unser Land und leichten Verbrennungen bis Stufe zwei begrüsst, das Postauto kurvt unbarmherzig in alle Richtungen und alte Leute reden das, was man von ihnen erwartet. Der Frieden ist teuer, er kostet viel, oftmals soviel, dass man lieber auswandern würde, aber dort ist dann eben nicht immer Frieden und das viele Olivenöl an allem verdirbt einem den Magen. Die freien Plätze in unserem Land würden den Alten immer seltener angeboten, obwohl sie ihr Leben lang geackert haben und was nicht alles, die Jugend sei verzogen und irgendwie halb bewusstlos, sie reagiere nicht auf das Zwicken und Sticheln, das sich früher bewährt habe. Zuhause riecht es nach Abwesenheit, wir halten Ausschau nach Röschti und Schweinsschnitzel, wir sehen im Augenwinkel ein Glas Cola, aber dort ist Nichts. Wir blicken den Menschen in der Stadt aufmerksam in ihre Gesichter, wollen sie uns etwas sagen? Sind ihre Gesichter voller potentieller Information und jedes Blickes wert? Alles regt und zuckt und windet sich auf unserer empfindlichen Netzhaut. Bald wird uns das zuviel und wir beginnen wieder mehr in uns hinein zu blicken, dort weiss man wenigstens, bei wem man sich beschweren kann, wenn einem die Aussicht nicht gefällt. Die Dichte der Stadt presst uns zurück in unsere ursprüngliche Form – wir müssen uns wieder gut leiden können mit den Zusätzen, die uns zieren. Ich lebe vegan und ich lebe moralisch vertretbar. Ich trinke nicht oder ich trinke immer viel zu viel. Der russische Botschaftsschutz kreuzt hinter mir auf und ab, weil ich eine Meinung habe. Ich bin dran am Geschehen. Aktivist weil ich es mir wert bin. Die einfachsten Gleichnisse legen sich quer in meine Kehle, weil ich bin mit der Ausschmückung meines Menschendaseins beschäftigt. Ich ersticke hier in meinem Koketteriekorsett, man helfe mir. Das Auge ist von der geringen Distanz der Häuserzeilen beleidigt und will schon wieder zu tränen beginnen. Doch ich drücke die Faust fest drauf, wir passen doch so gut zusammen, verpasse mir einen Schlag auf den wunden Punkt, die Alpen sehen schon wieder aus wie eine Theaterkulisse, hier ist die Bühne, frisch beschneite Berge und sehr gescheite Menschen vorne dran.  

Sarah Elan Müller 

Donnerstag, 19. September 2013




 

 

SARAH ELAN MÜLLER, SEBASTIAN TACKMANN  19.09.13

 

 

 

 

Mittwoch, 18. September 2013

HALB ALP - HALB ANGST 9

Der Morgen liegt irgendwo erstickt unter zwanzig cm Neuschnee, die beiden Rentiere stöbern ambitionslos danach. Der Körper muss jetzt einfach damit klarkommen, was ist, kein Muksen oder Husten. Das Islandross hat seinen Umriss verloren und stakst mit unangenehmer Grenzenlosigkeit in seinem Gehege herum. Von der Trutzburg wispert etwas, es sagt, don’t underestimate the effort. Fort sind wir um fort zu sein, aber wir tun so, als sei alles mitgekommen und nichts anders, wir erwarten immer noch viel von uns, wir leisten wie Zwergengeister, wir meistern meistens fast Alles, uns entgeht nichts, kein klitzekleines Goldsteinchen nur vielleicht ein Wörtchen, das zwischen zwei Stühlen heruntergefallen ist und dann zwischen zwei Menschen fehlt. Effi Effort lives in a fortress high up on the hill. Stundenlanges verheizen von Bäumen, die nie hier gewachsen sind, unsere gefühlslosen Hintern müssen im Bottich aufgewärmt werden, oberflächlich erhitzt und vom Schnee geblendet sitzen wir im lauwarmen Wasser und warten darauf, vom Geisterblitz erschlagen zu werden. Struck by epiphany she drags a flag by her hair to the pole, a polish girl drives her mad, on a mad mobile, pots and pans jingle wildly, as they run straight into the ditch. Effe sei beim Billiard ein schwerer Zug, sagst du, Effe sei wie ein Drall, eine Wendung des Schicksals, ein Abprall der ungewohnten Sorte. Effe wünscht sich jeder in seinem Leben, Effi Effort ist auch nur deshalb, wider ihrem Namen, zu Schloss und Aussicht gekommen, manchen ereilt Effe nie, mancher sieht nach zwanzig Jahren immer noch aus, wie vor zwanzig Jahren und sagt – wenn dann mal, dann werde ich – die Haare mal anders tragen und mich der Zeitlichkeit zuliebe selbst aufgeben. Das Meiste geschieht. Der Meister trägt mal grün mit Knöpfen, mal nicht. Der Meister sieht. Aus den Augen aus dem Sinn, der Sinn ist für heute ausgegangen, Morgen um elf: Sinnmeeting. 

Sarah Elan Müller



2MINUTENZEICHNUNG VON SARAH ELENA MÜLLER, VERONIKA KÖPPEL 

MIT  ANNE-SOPHIE RAEMY 13.09.13

Dienstag, 17. September 2013

HALB ALP - HALB ANGST 8

Kollektiv Wundenleck vollbringt am Eck ein Wunder, kurz vor sechs. Heute fehlen allen alle Enzyme. Die nötigen. Lichtnot und zu wenig Fett am Pfosten, am liebsten würde man mit dem Cue aufeinander eindreschen oder wenigstens auf die Bürokratie, die Zeit, jeden einzelnen Regentropfen, fick dich Vergänglichkeit. Beats hoppelnd auf der Flucht vor jeder Präzision, jeder einzelne baumelt irgendwann am Galgen der Technik, erhängt an einem VGA Kabel und das Wetter zeichnet still Kondolenzkarten. 

Sarah Elan Müller





SARAH ELAN MÜLLER 8.09.13 - 22.09.13




Montag, 16. September 2013

HALB ALP - HALB ANGST 7

Windstille ist erst Windstille, wenn man sie nicht mehr hört, muss ich erfahren, als ich hinausgehe, um eine einsame Seilwinde auf dem Feld zu interviewen. Das Ohr weiss wenig über Stille, der seichte Luftzug hämmert erbarmungslos ins Mikrofon, egal aus welcher Richtung ich meine Befragung starte. Nichts will gelingen. Es beginnt zu regnen. Ein paar gut ausgerüstete Wanderer stehen am Anfang eines goldenen Pfads, sie fragen sich, ob das nun die Initiative zur gerechteren Verteilung des Reichtums ist und stützen sich schon mal auf ihre Raichle Stöcke ab. Das Vergnügen, dass sie sich für heute vorgenommen haben, lastet schwer auf ihnen. Sie blicken hoch und sehen eine viel versprechende Linie, eine Art englischer Wolkenumriss ist vom Himmel gefallen, es ist immer etwas Gutes an der Gräue, sie blicken in die Zeit, die vor ihnen liegt und ziehen sich gegenseitig an dicken Drahtseilen in den Nebel hinein, dieser Ausflug wird sich lohnen, ob er will oder nicht. Mit der Nasenspitze krieche ich bis ganz vor an die Steilwand und schaue, die Innereien pulsieren erfreut. Eine Gondel voller kreischender Kinder schwebt ins Tal, eine leere Gondel kreuzt sie auf halbem Weg, es funktioniere ja wohl nur so, sagt der Operateur unter seinen Augenbrauen hervor, what goes up, must come down, das sei ja nicht seine persönliche Weisheit, eher Physik, das könne man ja wohl ohne Bedenken entgegennehmen. Es weht Misstrauen am Fahnenmasten, die Hornusser halten es gegen Mitternacht nicht mehr aus, dieses Plastikkunstplagiat, und hissen einen Jassteppich, wenigstens etwas Strammes, wenn auch nicht die absolute Befriedigung des Nationalstolzes, what goes up, must stay there, Prosit! Es gäbe schon schauderhafte Stagnationen, meint der Operateur noch beiläufig, letzte Woche zum Beispiel seien fünfhundert in China produzierte Kühe mit zusammengewachsenen Hinterbeinen beim Alpabzug in der Steilwand stecken geblieben, kein Vor oder Zurück sei mehr möglich gewesen, das sei dann wirklich verhockt. Und wenn’s dann drauf ankäme, wollen die Hersteller nichts mehr damit zu tun haben, da wäre man halt dann schon besser bedient gewesen mit dem heimischen Modell. Patriotisch sei das nicht, eher praxisorientiert. Praktisch niemand trifft den Ton, wenn’s zum Chor kommt, man tut es trotzdem. 

Sarah Elan Müller

Sonntag, 15. September 2013





FLAGISSAGE MARGAUX BULA 14.09.13




HALB ALP - HALB ANGST 6

Ein Moment der Ruhe in dem Trubel der Anderen, der Wochenendler, sie stürmen die Ebene mit Kamera und Schnaps, sie hängen sich zwischen Kuhglocken, werfen mit Wanderschuhen um sich. Ihre Köpfe sind hochrot und sie brauchen unbedingt mehr „Kafi fertig“, die zierlichen Künstler sind überall im Weg und bauen Dinge, von denen niemand weiss, was sie sollen. Unzimperlich greift man ihnen ins viel zu lange Haar und zwingt sie, einen anzublicken. Die Eidgenossen, die Wahrhaftigen, mit dem nötigen Brustumfang, sich solche zu nennen bemerken, dass die ihnen liebe Flagge fehlt und stattdessen etwas Kaputtes dort hängt. Gut möglich, dass das diese Schar zartbesaiteter Irritanten war, die hier überall hinter ihren Macbooks sitzt und den ganzen Billiardtisch versperrt. Als sie dann noch beginnen, grosses Audiogerät zum Fahnenmasten zu schleppen, ist der Verdacht erhärtet. Man testet sie sofort auf Herz und Nieren, aber wie die meisten Städter scheinen sie gar keine Organe zu besitzen und trinken immer zu nur Fencheltee. Daher kommt wohl auch der Drang, Kunst zu veranstalten, ein Lied davon zu singen und all das, was immer mit viel Erklärung verbunden ist. Klar, klar im Kopf muss man werden. Das ist für alle gleich wichtig. Die Alpluft tut uns allen gleich gut. Sie steht auch nicht zum Verkauf, jeder darf sie einfach durch seine Nasenlöcher einsaugen und wenn er genug davon hat, mit der letzten Seilbahn wieder ins Tal fahren. Als du gerade an deiner Reflexion herumschraubst, tippt dir einer ans Gehirn. Du, hier? Ja, du auch? Du blickst in den Spiegel und unterhältst dich selbst, du tust erstaunt, als ob du nicht gewusst hättest, dass du hier bist und dir ist da definitiv eine Überraschung gelungen. „Denen, die den Boden seiner Löcher berauben, blüht eine unschöne Zukunft!“, sagt man hier in der Sprache der Eingeborenen, du schaust in die Versenkung und in deine zwei Augen hinein, sie sind noch nicht auf Bodenhöhe, der Boden nicht auf Augenhöhe, es besteht also vorerst keine Gefahr für dich und deine Zukunft. Ein Golfball trifft dich hart am Schädel und gleich darauf die Einsicht. Die, die du für Eingeborene gehalten hast, sind Engländer und es könnte sein, dass deine übereifrigen Urteile deine Zukunft nun doch bedrohen. Lückenlosigkeit hin oder her. Aber ich will doch so sehr, dass es nicht so ist, jammerst du laut. Der Berg ächzt unter den Menschen, die ihn auf alle möglichen Arten besteigen. Das Tal gähnt über die Hornusser, Künstler und Engländer hinweg. Die Zukunft ist den beiden genau so breit wie lang, die 2000 Meterlinie trennt sie von den geografischen Koordinaten unserer Sorgen. 

Sarah Elan Müller

Samstag, 14. September 2013

HALB ALP - HALB ANGST 5


Nacht. In der Schwärze klingelt etwas. Du stehst still. Was ist? Da ist jemand. Wir machen Licht und vor uns stehen sie. Ihre Augen leuchten wie Silberknöpfe, ihre Hintern auch. Starr blicken sie herüber, sie trauen uns nicht, traben um uns herum in immer weiteren Kreisen und verschwinden schliesslich im Dunst. Neugier und Furcht heissen die beiden, sie sind zwar zahm, aber wenn man sie mitten in der Nacht auf der Ebene überrascht, sind sie in einem anderen Modus, sie sind verzettelt, ausgebreitet und nicht gesammelt für eine Begegnung. Du sagst hier seien sie besonders wohlgenährt, höher im Norden sähe man selten so dicke Exemplare, dort sei halt Vieles noch so, wie es gedacht wäre. Auf der Schattenseite liegt noch der Schnee von Gestern, anfangs hat er uns noch interessiert, wir stiegen sogar zu ihm hoch um ihn zu berühren, heute ist er nicht mehr der Rede wert und zieht sich beleidigt zurück. Von der Terrasse hört man sogar leises Gelächter, man weiss aber nicht, ob es den jungen Künstlern gilt oder dem Schnee, der sich nicht behaupten konnte. Behauptung allgemein ist eine Frage der Hartnäckigkeit, man hält das Haupt gerade auf dem harten Nacken und streckt es direkt ins eisige Schweigen der Leute hinein. Wir tauchen nach dem Saunagang in den kalt gebliebenen Hotpot. Die Haut schreit verärgert, das Herz zuckt die Schultern, was soll’s, es gibt Schlimmeres, es muss jeden Abend um Punkt zehn vor sechs eine pathetische Hymne ertragen und gleich darauf deftige Kost. Es spricht für unser Gewissen, dass wir plötzlich Polizisten mit Schäferhund auf der Ebene zu sehen beginnen, das Personal schüttelt den Kopf, kann nicht sein, ist nicht so. Tun was wir wollen, dazu sind wir aufgefordert, die Voraussetzung ist, einen Willen zu haben und ein Rückgrat, keine Fluchttierfurcht und eine Vision, clear, visible before our eyes. Hail to the plain und Baulärm für die Tagestouristen.


Sarah Elan Müller

Freitag, 13. September 2013

HALB ALP - HALB ANGST 4

Der Tag braucht zwei Anläufe um mich von seinem Beginn zu überzeugen. Eine innere Hitze fängt mich, kaum lasse ich zu, dass ich sie bemerke, verlässt sie mich sofort und ich friere in kaltem Schweiss. Who cares? Am Abhang ist auf halber Höhe ein Haus aufgetaucht, weiss und flach, es sitzt gut wo es sitzt, aber drin sitzt niemand, das weiss man hier unten ganz intuitiv. Das Haus ist sich selbst genug. Es ist zufrieden mit seinem Volumen und ihm zieht kein Luftzug durch den hohlen Sinn. Wenn es doch bewohnbar sein müsste, hiesse das Verzicht, unverzeihlich, denn Reichhaltigkeit ist wichtig, ich bin bereits bei Briefen an Kafka, sag ja, sag ich versteh jetzt etwas, da sagst du: Es ist flach. Es ist wirklich und wahrhaftig nur eine Fläche. Ich falle meiner eigenen Häuslichkeit zum Opfer. Plustere mich schützend auf, die Kälte dringt zwischen die Daunen. Energien laufen zusammen, an der Knotenstelle gibt es eine Kollision mit einem Motorradfahrer. Er erschreckt sich zu Tode, normalerweise kennt er hier alles und braust unaufhaltsam zwischen den Felsblöcken hindurch, heute aber ist hier dieser Energieengpass, extra installiert weil extra ist immer ein guter Grund. Darauf hissen die jungen Leute im Berghotel eine Flagge aus ihrem Fleisch und Blut, ein Mortadella flattert im eisigen Wind und ist des Todes, sehr wahrscheinlich, della Morte. Randensalat. Betrachtung. Wünschen wir uns etwas Lustiges? Werde ich eines Tages blind sein? Verstaut in ein Nähkästchen, ein Plaudertäschchen, Schlafsack und Wärmebeutel, aus dem ich herausplappere… Das Private an der Arbeit geschieht hinter hochgeklappten Bildschirmen oder hinter Hügeln, im Nebel und unter Goretex Kapuzen, etwas tropft beharrlich auf meine taube Stirn, ich lausche diesen stillen Freuden der Leute. Ungarn ist weit weg. Fast alles ist weit weg. Die Kunst hat für diesen Platz bereits zu viele Handycaps, die Golfer schlagen ab – Zack ins Naturschutzgebiet, Ramseier, Mobiliar und Gastrosuisse umgehen den Zielkonflikt geschickt und lochen ein, direkt und ohne Umschweife, am Ort der Kraft. Nach einer Weile gewöhnen sich die Augen an die Topografie und man beginnt die Höhenlinien zu sehen. 

Sarah Elan Müller

Mittwoch, 11. September 2013

HALB ALP - HALB ANGST 3

Und dieser Hagebuttentee besteht hauptsächlich nicht aus Tee, sondern Kernobst. Ob Kunst eigentlich nur gut ist, wenn nicht jeder sie macht? Das ist schwer zu sagen, aber vielleicht ist es eine Überlebensfrage, ab heute wollen wir nicht mehr Atmen, weil das macht ja jeder… Und wenn nicht Ideologie, was dann? Anspruch? Und wenn der Verzicht auf Atemluft dann Kunstanspruch geltend macht, wird’s heikel. Aber hier hat es zum Glück genug Luft für alle. Mitten in dieser Luft hängt eine Bedrohung oder etwa nicht. Oder? Was auch immer wird sich darin verheddern, was auch immer ist hier von grossem Interesse, was auch immer wird sogar ziemlich ausgeschöpft, wenn du weißt, was ich meine. Ein Stachelmahnmal für die Tagesmenschen wartet auf den ersten Riss. Ein paar scheue Risse hat es schon bei seiner Verwicklung in seine eigenen Angelegenheiten getan, in den Overall eines Helikoptermechanikers. (Lust auf luftige Höhen?) Overall auf der Ebene, ist überall, ein Fels aber ist nur einmal nicht dort, wo er immer ist, und danach wieder Ewigkeiten unbewegt. Der Steilwand ist ihr einziger goldener Zahn ausgefallen, aus Wut darüber hat sie noch ein paar Brocken hinterher geworfen. Mit der emotionalen Kälte ausgefallener Zähne werden wir heute vom Himmel bespielt, Schnee und Wind, Spiegelbilder, Lug und Trug und doch bleibt alles erkennbar, eine kleine Irritation lässt den Menschen nicht einmal blinzeln, es blinkt und zappelt Licht auf den Passanten, nur das weisse Pferd und die Putzfrau bemerken den Unterschied. Ich fege Strohhalme mit einem Strohbesen, dem Unterschied zuliebe, denke Zen, denke Beat, denke Versenkung in Arbeit oder Fieber in der Musik. Each brush with the broom causes another draft of air, causes another straw to move and lay itself right where I just swept. I learn to sweep gently, with the right amount of force, and I start to hear the floor talking to me about the treatment it’s been experiencing. I can identify with the floor in a barn more easily than with what they call us, the humans, the artists, the agile beings with skin wrapped around them. Diese Haut hält nicht mehr zusammen, als was wir selbst aushalten, die Jäger sind im Tal, sagst du und du denkst nicht daran deine Haut zu retten. Das Tier entflieht direkt in den Himmel und wir halten es nicht fest, nur ein Dokument, nur ein Fuss ohne Tier, nur eine Idee aber bereits setzt sich darauf ein feiner Film, die heisse Milch kühlt auf unangenehmste Weise ab, wir hoffen, dass es unseren Ideen besser ergeht. Gib den Zucker rüber, dieses Gebräu ist einfach, ähm, etwas, too much. 

Sarah Elan Müller

Dienstag, 10. September 2013

HALB ALP – HALB ANGST 2


Am helllichten Tag ist es episches Wetter. Uns gelüstet nach einer Schlacht auf der Ebene, etwas Großartiges zum Beispiel. Ein paar Tagesmenschen bewegen sich auf der Ebene hin und her, sie sind jederzeit sichtbar, wandelnde Stifte mit farbigen  Sportjacken. Stäbchen und Zapfen, daraus ist die Retina gebaut, referiere ich in mich hinein, einzelne Stäbchen sind entwischt und meinen nun, sie könnten autonom auf der Hochebene herumspazieren. Fehlt dir eine Farbe im Auge oder ein Licht im Kopf? Alles geht immer nicht auf, man will etwas sagen und dann etwas dazu, meist aber sollte man es dabei belassen, was man wollte, es nur wollen und nichts weiter. Mir fehlt das Licht im Kopf ganz eindeutig, hier scheint es mir grell entgegen und sogar der alte, weisse Gaul wirkt hell und klar, im Kopf bleibt eine gewisse Restdunkelheit, trotz Pferd, trotz Licht, trotz der Bereitschaft die Augen weit aufzusperren, damit es hell wird im Schädel. Der Wind weht fast schon pubertär, er bläst hart, kein Sonntagsfick oder Sonntagswunschfick, er nimmt uns alles und jedes und lässt uns mit geröteten Backen zurück. Zwei Gespensterhelden flattern am Ort der Kraft, Krafthelden, transparente Ovomaltine mit transparenten Körpern darum herum, du sagst das Cola hier ist Wasser aus der Quelle mit Colageschmack, man zahlt nur für den Namen und wir dreschen mit Sonnenschirmen aufeinander ein. Ehre dem Epos, Ehre der Musik. Aber wie viel Ehre ist noch übrig, wenn man in einen einsamen Skischuh singt, ist das ortsbezogen oder einfach notgedrungen? Lange Irrfahrten zwischen Frühstücksflocken und Kaffeerahm, Angst um den Ruf oder eher Angst vor der Stille ohne einen Ruf, der Berg ruft seinen Senf dazu und die Spalten dort, die Löcher in der Felswand, das sind die Nistplätze der Echos. Also…Ausser dir hat das hier keiner so aufgefasst, gell das weißt du schon. Diese Ebene ist ernst zu nehmen, sagen einige, sie wissen wovon sie reden, die einen, weil sie hier schon Winter erlebt haben, in denen sie ganze Iglus mit Huskyhunden dekoriert hatten, bis zu zwanzig Hunde in einem Iglu, das hält warm und trotzdem hat man seine Ruhe...Wo war ich? Die anderen, weil sie Ebenen schon theoretisch behandelt haben und auch Parallelebenen dieser Ebenen, das ist eben schon wichtig, aber zurecht darf man auf den Workstart warten, weil ohne Work no Vision. Heute schon bin ich bis zu diesem Wort vorgeprescht, ein Hauch von Countdown in der Halfpipe to Heaven.

Sarah Elan Müller




HALB ALP – HALB ANGST 1

Der Nebel schleicht über stumpf glitzernden Teiche, in denen Kaulquappen leben, das ganze Jahr über, sagst du, kann nicht sein, denke ich.
Auf dem Gipfel flüstert etwas, wie in der gemütlichen Stube.
Jemand ist da-
(Halb Alb halb Traum)
Aber auch das kann nicht sein, weil ich sehe ja hin und ich sehe nichts. Jederzeit alles möglich hier, auch wenn du nicht da bist, kann dir hier was passieren. Die Ferne macht mir Sorgen, ich sehe nicht sehr weit, ein Film schwimmt auf meinem Teichauge, sie pfeifen herüber aber ich kann sie nicht erkennen, könnte sein, dass ich vom Weg abgekommen bin, könnte sein, dass sie mir das mitteilen wollen. Andererseits kann ich jetzt auch nicht behaupten, auf dem Gipfel nichts gesehen zu haben, weil ich bin nun mal kurzsichtig und es wäre schon möglich, dass dort jemand war. Im Teich ist auch jemand, sagst du noch mal eindringlich, wirklich, sieh mal, Fische! Ein paar sehr kleine, sehr schnelle Fische sausen panisch unter der Wasseroberfläche hin und her. Es ist wahr. Auch, dass es uns nicht besser geht. Wir haben hier eine Aufgabe und hätten lieber keine, sei es auch nur, den Weg zurück zur Hütte nicht finden zu müssen, sei es nur, einfach nichts. Das Wasser weiss wenigstens, wo es hinfliesst, wir wissen nicht einmal, ob wir zusammen oder auseinander fliessen, wo wir uns trennen und wo nicht. Aber vorerst nicht oder – bereits ist es soweit ich seh’ schon wieder ausser meinen Füssen keine, also allein unterwegs und immerzu um die Knöchel besorgt. Sie sind nicht für steile Traversen geeignet. Knicksucht. Der Abend hockt bereits vor der Hütte und bricht sofort an, als ich zurück bin. Zeit für etwas Unterhaltung und kein soziophobes Getue jetzt, mach dich nicht klein weil sonst wirst du von deiner eigenen Katze gefressen oder musst gegen Spinnen kämpfen wie ein Mann, ein kleiner zwar, aber doch, ein Mann. Wer will da schon? Ich nicht.

Sarah Elan Müller